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bach (2004)

herman de vries

herman de vries

Ti­tel des Albums: the music of sound / the sound of music
Ti­tel:  (Track 02)
Her­aus­ge­ber: Seedamm Kulturzentrum Pfäffikon SZ; Stiftung Charles und
Agnes Vögele; Centre des livres d’artistes / Pays-paysage,
Saint-yrieix-la-perche
Da­tum: 2004
Me­di­um: 2 CDs
Edition: 216 n. & s.

 

„seit 1970 arbeite ich mit der natur zusammen“, sagt herman de vries von sich selbst. Die Verbindung von Kunst und Natur ist zu seinem künstlerischen Markenzeichen geworden. Seit Jahrzehnten arbeitet er ausschließlich mit Fundstücken aus der Natur, die er wie ein Naturwissenschaftler sortiert und in visuelle Ordnungen bringt. Seine Kunst ist sowohl im Mikro- als auch im Makro-Kosmos der Natur angesiedelt, da er zum einen aus kleinsten Fundstücken, wie beispielsweise kleinen Blättern, grafische Arbeiten entstehen lässt, und zum anderen direkt in der Natur arbeitet. Er nutzt dafür einfache künstlerisch-wissenschaftlichen Techniken und Verfahren, wie das Sammeln, Trocknen, Pressen, Verreiben, Isolieren oder Zusammenstellen von Materialien aus der Natur. So ordnet er Pflanzen, Blätter, Äste, Erden, Naturrelikte und Klänge zu Bildstrukturen, die die Vielfalt und Unterschiedlichkeiten aufzeigen, unter denen Natur entsteht.

So sammelt er auch akustische Fundstücke aus der Natur. Auf der Langspielplatte bzw. der später herausgegebenen Audio-CD Water. The Music of Sound 1 ‎von 1977 hat er insgesamt fünf Werke veröffentlicht und auch deren Fundort angegeben:

  1. bach: 6 kleine wasserfällchen in einen strom, Oberschwappach (10:25 Min.)
  2. ozean I: Gubacarrigan, Clew Bay – Ireland (9:37 Min.)
  3. ozean II: Killeennabausty, Achill Island - Ireland (9:15 Min.)
  4. regen: regen, Eschenau (6:45 Min.)
  5. quelle: Fatschenbrunn (5:02 Min.)

Bei den als sogenannte Non-Music charakterisierten Werken handelt es sich um Field Recordings, d.h. um direkt in der Natur aufgenommene Geräusche vorgefundener Klanglandschaften außerhalb eines Tonstudios. Die Aufnahmen von Natur- beziehungsweise Umgebungsgeräuschen wurden mithilfe portabler Aufnahmegeräte realisiert und nicht weiter bearbeitet.

Auf dem Umschlag der Schallplatte ist ein Vers aus der Diamant Sutra des Mahayana-Buddhismus abgedruckt:

“this shall you think of all this fleeting world: | a star at down, a bubble in a stream, | a flash of lightning and a summer cloud, | a flickering lamp, a phantom and a dream”

Der vollständige Titel des Sutra lautet „Vajracchedika Prajnaparamita“, was so viel heißt wie: Die Vollkommenheit der Weisheit, die [so scharf ist, dass sie] selbst einen Diamanten spalten kann. Der Klang des dahin fließenden Baches erzeugt nicht nur ein rein in der Vorstellung erscheinendes Bild eines Baches, sondern das Zuhören bewirkt auch eine meditative Stimmung. Gleichzeitig wird die Natur mit Vollkommenheit gleich gesetzt.

ATJ