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Machine Gun (1968)

Peter Brötzmann

Peter Brötzmann

Ti­tel des Albums: Machine Gun
Ti­tel: Machine Gun (Track 01)
Her­aus­ge­ber: Free Music Production, Berlin
Da­tum: 1968, publ.1972
Me­di­um: re­cord 30 cm
Cover: Peter Brötzmann, Fotos: P.G. Deker
Performer: The Peter Brötzmann Octet

 

Peter Brötzmanns 1968 aufgenommenes Album Machine Gun gilt als Meilenstein des europäischen Free-Jazz und erregte in Fachkreisen großes Aufsehen. Die kontroversen Diskussionen über das Album unterstellten ihm, die Ablösung des europäischen Jazz von den Vorgaben der Amerikaner zu sein, ein Einreißer von musikalischen Grenzen und die Spitze der Unkonvention, aber auch destruktiv und eine „Jazz-Absage an den Wohlklang“ zu sein.

Der Albumtitel sowie der gleichlautende Titel des ersten Stücks scheinen programmatisch gewählt zu sein: der Sound des Albums überfällt den Hörer „gewehrsalvenartig“, er wirkt schnell, improvisiert und überfüllt. Tatsächlich sind Brötzmanns Notationen zu diesem Stück nur umrissartig formuliert und geben den Interpreten ein hohes maß an improvisatorischer Freiheit. Für die Aufnahme versammelte Brötzmann die Avantgarde der europäischen Free-Jazz-Szene um sich: das Oktett setzte sich neben Brötzmann aus Hans Bennink, Willem Breuker, Fred Van Hove, Sven-Akt Johansson, Peter Kowald, Buschi Niebergall und Evan Parker zusammen. 

Die Aufnahme der Album-Version entstand in der Lila Eule in Bremen, bei der die Techniker die Mikrofone mit Decken verhängen mussten, um den Lautstärkepegel zu dämpfen und eine technisch korrekte Aufnahme zu ermöglichen. Initiator war die Jazzredaktion von Radio Bremen unter Manfred Miller.

Brötzmann sah diesem Album und den Free-Jazz im allgemeinen ein Statement zur gesellschaftlichen Situation seiner Zeit. So sah er in Machine Gun eine Antwort auf die „brutalen Zeiten“, in denen der Vietnam- und Biafra-Krieg gesellschaftlich hingenommen wurden. Die in Free-Jazz vollzogene radikale Änderung in der Interpretation von Jazz sollte als Hinweis auf dringend notwendige gesellschaftliche Veränderungen wirken.